Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) sind eine städtische GmbH in Magdeburg, deren Geschäftsfeld im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) liegt. Die MVB betreiben ein ca. 130 Kilometer langes Gleisnetz für den Straßenbahnverkehr, auf welchem tagsüber neun und nachts drei Straßenbahnlinien verkehren. Zusätzlich werden tagsüber elf bzw. nachts drei Stadtbuslinien zum Einsatz gebracht. Statistisch gesehen werden täglich mehr als 200.000 Fahrgäste durch die MVB durch Magdeburg und Umland befördert. Dafür werden zu Spitzenzeiten insgesamt 110 Fahrzeuge gleichzeitig eingesetzt, diese setzen sich aus 75 Straßenbahnen und 35 Bussen zusammen.
Die Hauptaufgabe des Leitstands der MVB mit Sitz in der Otto-von-Guericke-Straße 25 in 39104 Magdeburg ist das Informationsmanagement. Das Personal des Leitstands setzt sich aus mehreren Disponenten, Verkehrsmeistern und einem Betriebsleiter zusammen. Zur technischen Ausstattung des Leitstands gehören Telekommunikationseinrichtungen, wie beispielsweise eine mehrkanalige analoge Funkanlage, mit deren Hilfe jederzeit mit den Straßenbahn- und Busfahrern kommuniziert werden kann. Dieser Informationsaustausch ist besonders wichtig, um den Fahrern zum Beispiel mitteilen zu können, wenn sie wesentlich zu früh oder zu spät an einer Haltestelle sind und was sie in diesem Fall für Maßnahmen ergreifen sollen. Aber auch wenn bestimmte Streckenabschnitte nicht befahrbar sind (aufgrund von z.B. Unfällen oder Unwettern) ist die Kommunikation unerlässlich. In so einem Fall müssen den Fahrzeugführern Umleitungsstrecken vorgeschrieben oder Fahrer von anderen Linien abgezogen werden, um einen Schienenersatzverkehr einzurichten. Bei großen Störungen stehen dem Leitstand neben Fahrzeugen (z.B. Ersatzfahrzeuge und Arbeitswagen) auch Personal (z.B. Schlosser, Elektroniker, Mechatroniker etc.) zur Verfügung, die dann schnellstmöglich verständigt werden müssen. Im Fall einer sehr schwerwiegenden Störung steht dem Leitstand zusätzlich ein so genannter Havarieraum bereit, in dem sich der „Krisenstab“ zu Beratungen zurückziehen kann.
Für Notsituationen haben die Fahrer von Bussen und Bahnen die Möglichkeit einen Notfallknopf zu betätigen. Eine Betätigung bewirkt eine Direktfunkverbindung zwischen Fahrer und Mitarbeitern des Leitstands, wobei zum schnellen Lösen der Notsituation der Kontakt zu den anderen Fahrzeugführern abgebrochen wird. Um in Notfällen keine Zeit zu verlieren, ist der Leitstand mit Direkttelefonleitungen (es muss keine Nummer gewählt werden) zur Polizei und Feuerwehr ausgestattet.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Leitstandes ist das Verkehrsleitsystem. Seine Hauptfunktionen besteht aus dem protokollarischen Erfassen der Fahrten von Straßenbahnen und Bussen, wobei die Ortung der Straßenbahnen durch Infrarot, die der Busse via GPS erfolgt. Es wird genau aufgezeichnet, wann welche Bahn bzw. Bus an welcher Haltestelle war. So sind die MVB in der Lage Fahrplanabweichungen genau nachzuweisen und gegebenenfalls, ob ein Kundenbeschwerde gerechtfertigt ist.
Das vollkommen automatisierte Verkehrsleitsystem verarbeitet zusätzlich diese eingehenden Informationen und gibt auf Anzeigetafeln, die z.B. an den Haltestellen Alter Markt, Theater, Hasselbachplatz stehen, die tatsächlichen Abfahrtszeiten der Fahrzeuge aus. So sehen Fahrgäste schon vor dem Eintreffen der Bahnen und Busse, ob die Abfahrtszeiten vom Fahrplan abweichen. Aber nicht nur vor Ort, sondern auch im Internet auf der Homepage der MVB, kann man sich kurz vor Abfahrt die tatsächlichen Abfahrtszeiten anzeigen lassen. Ein Teil der Software für das Verkehrsleitsystem wurde von RBL, einem Siemens-Tochterunternehmen erworben, der andere Teil durch das eigene Personal programmiert.
Des weiteren wird vom Leitstand aus die Stromversorgung geregelt. Das Personal sieht jederzeit, welche Leitungsabschnitte Strom führen und welche nicht. Außerdem ist es möglich die Stromversorgung für einzelne Abschnitte sofort abzuschalten, was bei Unfällen oder Schäden an den Oberleitungen sehr wichtig ist. Aus Sicherheitsgründen ist es nicht möglich vom Leitstand aus die Stromversorgung wieder einzuschalten. In solch einem Fall muss sich mindestens ein Mitarbeiter des Außendienstes ein Bild von der Lage vor Ort machen und ggf. die Oberleitung reparieren lassen, bevor diese vor Ort wieder unter Strom gesetzt wird.
Eine weitere wichtige Aufgabe des Leitstandes ist die Objektüberwachung. Nach 16 Uhr oder wenn sich keine Mitarbeiter mehr in Gebäuden der MVB befinden (z.B. in den Betriebshöfen und der Werkstatt), werden diese videoüberwacht. Die Bilder der Kameras werden ständig vom Personal beobachtet. Außerdem gehen im Leitstand zusätzlich Informationen von verschiedenen Sensoren ein. Beispiele hierfür wären Brand- und Wasserschaden eines Gebäudes oder Hausfriedensbruch. Die Mitarbeiter können dann entsprechende Maßnahmen einleiten.
Weitere Informationen, die die MVB sammeln und auswerten sind z.B. Daten aus Passagierzählungen, die in einigen Bahnen durch eine automatische Zählanlage erfolgt oder von Mitarbeitern durchgeführt werden. Des weiteren werden die Verkaufszahlen der Fahrkarten an den verschiedenen Verkaufsstellen erfasst.
Um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen sind viele Straßenbahnen 24-Stunden kameraüberwacht. Die Auswertung der Kamera-Daten ist nur der Polizei, im Fall einer begangenen Straftat gestattet. Wird die Festplatte nicht für eine Fahndung gebraucht, werden die Daten nach 24 Stunden wieder überschrieben.
Eine weitere Methode Informationen an die Fahrgäste weiterzuleiten sind die in einigen Bahnen installierten TFT-Bildschirme, die in Zukunft in jeder Bahn Anwendung finden sollen. Mit deren Hilfe werden Kunden auf aktuelle Informationen, wie Baustellen, Umleitungen oder Aktionen der MVB aufmerksam gemacht.





